§ 43 Infektionsschutzgesetz

Infektionsschutzbelehrung nach § 43 IfSG: Inhalte, Abgrenzung, Ablauf

Die Infektionsschutzbelehrung ist die amtliche Bezeichnung für das, was im Alltag Gesundheitszeugnis heißt: die Belehrung über Tätigkeitsverbote und Pflichten vor der ersten Arbeit mit Lebensmitteln. Hier: Abgrenzung zu Hygieneschulung und Folgebelehrung, Inhalte, Kita-Sonderfall, Ablauf.

PD Dr. med. Daniel BertholdAktualisiert: 4. November 2026Gesetzesstand geprüft: 4. November 2026

Was ist die Infektionsschutzbelehrung?

Die Infektionsschutzbelehrung ist die Belehrung nach § 43 Abs. 1 Infektionsschutzgesetz (IfSG). Bevor du gewerbsmäßig bestimmte Lebensmittel herstellst, behandelst oder in Verkehr bringst oder in der Küche einer Gaststätte oder Gemeinschaftseinrichtung arbeitest (§ 42 Abs. 1 IfSG), müssen dich das Gesundheitsamt oder ein vom Gesundheitsamt beauftragter Arzt über die Tätigkeitsverbote und deine Pflichten belehren. Danach erklärst du in Textform, dass dir keine Tatsachen für ein Tätigkeitsverbot bekannt sind, und erhältst die Bescheinigung.

Viele Gesundheitsämter nennen sie „Belehrung nach §§ 42, 43 IfSG“, weil § 42 die Verbote enthält, über die nach § 43 belehrt wird. Pflicht, Kosten und Gültigkeit im Detail: Gesundheitszeugnis: Pflicht, Kosten, Gültigkeit.

Abgrenzung: Gesundheitszeugnis, Hygieneschulung, Erst- und Folgebelehrung

Vier Begriffe werden ständig vermischt. So gehören sie zusammen:

BegriffRechtsgrundlageWer führt sie durchWann
Infektionsschutzbelehrung = Gesundheitszeugnis = Erstbelehrung§ 43 Abs. 1 IfSGGesundheitsamt oder beauftragter Arzteinmal vor der ersten Tätigkeit; Bescheinigung höchstens drei Monate alt
Folgebelehrung§ 43 Abs. 4 IfSGArbeitgeber, mit Dokumentationnach Aufnahme der Tätigkeit, danach alle zwei Jahre
Hygieneschulung§ 4 LMHV, Verordnung (EG) Nr. 852/2004Betrieblaufend; Fachkenntnisse auf Verlangen nachweisbar
Belehrung für Kita- und Schulpersonal§ 34 Abs. 5a IfSGArbeitgeber, Protokoll drei Jahrevor der ersten Tätigkeit, danach mindestens alle zwei Jahre

Gesundheitszeugnis und Infektionsschutzbelehrung sind also dasselbe. Die Hygieneschulung vermittelt Fachkenntnisse zur Lebensmittelhygiene und ist Pflicht des Betriebs; laut RKI-Belehrungsbogen ersetzt die Belehrung nach § 43 IfSG sie nicht. Die Folgebelehrung ist keine neue Bescheinigung, sondern die Wiederholung im Betrieb.

Inhalte der Infektionsschutzbelehrung

§ 43 Abs. 1 IfSG schreibt vor, worüber belehrt wird: die Tätigkeitsverbote nach § 42 Abs. 1 und die Pflichten nach § 43 Abs. 2, 4 und 5. Das Robert Koch-Institut hat dafür einen Muster-Belehrungsbogen veröffentlicht (Stand 2014, unverbindlich). Die Belehrung hat drei Teile:

1. Tätigkeitsverbote nach § 42 Abs. 1 IfSG

Du darfst nicht mit den genannten Lebensmitteln oder in einer Küche arbeiten, wenn du

  • an Typhus abdominalis, Paratyphus, Cholera, Shigellenruhr, Salmonellose, einer anderen infektiösen Gastroenteritis oder Virushepatitis A oder E erkrankt bist oder der Verdacht darauf besteht,
  • an infizierten Wunden oder an Hautkrankheiten leidest, deren Erreger über Lebensmittel übertragen werden können,
  • Shigellen, Salmonellen, enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) oder Choleravibrionen ausscheidest – auch ohne Krankheitszeichen.

Das Gesundheitsamt kann Ausnahmen zulassen, wenn Maßnahmen eine Übertragung verhindern (§ 42 Abs. 4 IfSG). Alle Krankheiten im Einzelnen: Tätigkeitsverbote nach § 42 IfSG.

2. Krankheitszeichen, auf die du achten musst

Der RKI-Belehrungsbogen nennt die Warnzeichen, die auf diese Krankheiten hinweisen:

  • Durchfall (mindestens drei ungeformte Stühle in 24 Stunden)
  • Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen
  • Fieber ab 38,5 °C
  • Gelbfärbung der Haut und der Augäpfel
  • Wunden oder offene Hautstellen, die gerötet, schmierig belegt, nässend oder geschwollen sind

Treten solche Zeichen auf, hol ärztlichen Rat ein und sag, dass du mit Lebensmitteln arbeitest. Im Arbeitsalltag: Darf ich mit Durchfall arbeiten?

3. Mitteilungspflicht und Pflichten des Arbeitgebers

Treten nach Aufnahme der Tätigkeit Hinderungsgründe auf, musst du das deinem Arbeitgeber unverzüglich mitteilen (§ 43 Abs. 2 IfSG). Der Arbeitgeber muss Maßnahmen gegen die Weiterverbreitung einleiten (Abs. 3), alle zwei Jahre nachbelehren (Abs. 4) und die Nachweise aufbewahren und auf Verlangen vorlegen (Abs. 5). Eine Untersuchung gehört nicht zur Belehrung.

Sonderfall Kita, Schule und Hort

Für Gemeinschaftseinrichtungen nach § 33 IfSG – Kitas, Horte, Kindertagespflege, Schulen, Heime, Ferienlager – gilt eine zweite, eigenständige Belehrung: Nach § 34 Abs. 5a IfSG belehrt der Arbeitgeber alle, die dort regelmäßig mit Kontakt zu den Betreuten tätig sind, vor der ersten Tätigkeit und danach mindestens alle zwei Jahre; das Protokoll bewahrt er drei Jahre auf. Diese Belehrung stand früher in § 35 IfSG und heißt deshalb oft noch „Belehrung nach § 35“. Es gibt sie nicht zu kaufen, und sie ist kein Gesundheitszeugnis.

Wer in der Kita-Küche arbeitet oder regelmäßig Essen zubereitet oder ausgibt, braucht zusätzlich die Belehrung nach § 43 IfSG mit Bescheinigung. Details: Belehrung nach § 35 IfSG in der Kita.

Ablauf: beim Gesundheitsamt und online

Beim Gesundheitsamt

Du vereinbarst einen Termin beim Gesundheitsamt deines Wohn- oder Arbeitsorts und bringst Personalausweis oder Reisepass mit; Minderjährige meist eine Einverständniserklärung der Eltern. Die Belehrung findet meist in der Gruppe statt, als Vortrag oder Film; danach gibst du die Erklärung ab und zahlst die Gebühr. Ämter geben dafür etwa 45 bis 60 Minuten an; die Bescheinigung erhältst du direkt oder per Post. Gebühren je Amt: Tabelle der Gebühren beim Gesundheitsamt.

Online

Online führt ein vom Gesundheitsamt beauftragter Arzt dieselbe Belehrung durch: Schulungsvideo, Verständnisfragen, Erklärung in Textform, Identitätsnachweis mit Ausweis oder Reisepass. Nach der ärztlichen Prüfung kommt die unterschriebene Bescheinigung als PDF; das dauert rund 10 Minuten und kostet 25 €. Auf dieser Website belehrt PD Dr. med. Daniel Berthold, den das Gesundheitsamt Starnberg (Landratsamt) nach § 43 IfSG mit Belehrungen beauftragt hat und in seiner Liste der beauftragten Ärzte führt (vor Ort: Landkreis Starnberg). Ob du sie brauchst: Wer braucht ein Gesundheitszeugnis?; Unterschiede der Wege: Vergleich online und Gesundheitsamt.

Gültigkeit der Bescheinigung

Beim erstmaligen Beginn der Tätigkeit darf die Bescheinigung nicht älter als drei Monate sein (§ 43 Abs. 1 IfSG). Danach läuft sie nicht ab; die Wiederholung übernimmt der Arbeitgeber mit der Folgebelehrung alle zwei Jahre (§ 43 Abs. 4 IfSG), auch online möglich. Gib dem Betrieb vor dem ersten Arbeitstag eine Kopie (Bescheinigung beim Arbeitgeber); Einzelfälle unter Wie lange ist das Gesundheitszeugnis gültig?

Rechtsgrundlage

Häufige Fragen zur Infektionsschutzbelehrung

Ist die Infektionsschutzbelehrung dasselbe wie das Gesundheitszeugnis?

Ja. „Infektionsschutzbelehrung“ und „Belehrung nach § 43 IfSG“ sind die amtlichen Bezeichnungen, „Gesundheitszeugnis“ ist der Alltagsname. Gemeint ist immer die Erstbelehrung mit Bescheinigung nach § 43 Abs. 1 IfSG.

Ersetzt die Infektionsschutzbelehrung die Hygieneschulung?

Nein. Die Hygieneschulung nach § 4 Lebensmittelhygiene-Verordnung ist eine eigene Pflicht des Betriebs und vermittelt Fachkenntnisse zur Lebensmittelhygiene. Die Infektionsschutzbelehrung informiert über Tätigkeitsverbote und Mitteilungspflichten nach dem Infektionsschutzgesetz. Du brauchst beides.

Was ist der Unterschied zwischen Erstbelehrung und Folgebelehrung?

Die Erstbelehrung (§ 43 Abs. 1 IfSG) führen das Gesundheitsamt oder ein beauftragter Arzt vor der ersten Tätigkeit durch; sie endet mit der Bescheinigung. Die Folgebelehrung (§ 43 Abs. 4 IfSG) führt der Arbeitgeber selbst durch, nach Aufnahme der Tätigkeit und danach alle zwei Jahre, und dokumentiert die Teilnahme.

Brauchen Erzieherinnen und Erzieher eine Infektionsschutzbelehrung?

Für die Betreuung gilt die Belehrung nach § 34 Abs. 5a IfSG, die der Arbeitgeber selbst durchführt und protokolliert. Wer in der Kita zusätzlich Mahlzeiten zubereitet oder in der Küche arbeitet, braucht außerdem die Erstbelehrung nach § 43 IfSG mit Bescheinigung.

Kann ich die Infektionsschutzbelehrung online machen?

Ja. § 43 Abs. 1 IfSG verlangt die Belehrung durch das Gesundheitsamt oder einen vom Gesundheitsamt beauftragten Arzt, schreibt aber keinen Ort vor. Online siehst du das Schulungsvideo, beantwortest Verständnisfragen, gibst die Erklärung in Textform ab, bestätigst deine Identität und erhältst die Bescheinigung als PDF.

Quellen und Rechtsgrundlagen

Stand: 4. November 2026. Gesetzestexte am 4. November 2026 bei gesetze-im-internet.de geprüft. Autor: PD Dr. med. Daniel Berthold, vom Gesundheitsamt Starnberg nach § 43 IfSG mit Belehrungen beauftragt.

Infektionsschutzbelehrung online machen

Erstbelehrung nach § 43 IfSG durch einen vom Gesundheitsamt beauftragten Arzt, rund 10 Minuten, 25 €. Die Bescheinigung kommt als PDF per E-Mail.

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